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letzte Änderung:
14.01.2017

Die Tibetische Medizin in der Praxis
Die Tibetische Medizin in der Praxis

 


Wie allen alten Völkern der Welt diente auch den ersten Bewohnern Tibets die Natur als Quelle für die Heilkunde. Die einheimische Religion Tibets, der alte Bön, besaß eine eigene medizinische Tradition. Ihr Begründer Sherab Mibo, der aus Shan-Shung im Norden des Berges Kailash in der Nähe des Sees Manasarovar stammte, gab sein Wissen an seinen Sohn Che-bu Ti-shey sowie sieben andere Weisen weiter. Die Geschichte der tibetischen Medizin beginnt also einige Jahrhunderte vor der Einführung des Buddhismus in Tibet.

Diese archaische Medizin war sehr wahrscheinlich insofern „esoterisch“, als sie mit den religiösen spirituellen Vorstellungen der damaligen Zeit verbunden war, d.h. beherrscht von Götter- und Dämonenglauben. Krankheit galt nicht als Folge von logischen und beweisbaren Phänomenen, sondern viel eher als Unstimmigkeit oder Bruch zwischen einem Menschen, der gefehlt hat, und den Göttern und Geistern, die die Welt von ihren jeweiligen Reichen aus regieren. Die Ärzte, die damals traditionell „Medizinmänner“, „Heiler“ oder „Schamanen“ genannt wurden, vermittelten zwischen Menschen, Geistern und Dämonen, weil sie Einsicht in das „Ganze“ hatten - sie wußten, daß die Welt von einer globalen, einzigartigen Ordnungsfunktion regiert wird, von der nichts getrennt oder weggelassen werden kann.

Krankheit wird daher von Anfang an als Mißklang begriffen, als Disharmonie zwischen dem Menschen und den sichtbaren oder unsichtbaren Naturkräften, die ihn umgeben. Ein tibetischer Arzt wird sich viel Zeit nehmen, um mit Ihnen über Ihre Probleme zu sprechen. Als erstes wird er den Puls tasten und anschließend einige Fragen stellen. Er wird die Ursache der Krankheit klären und Ratschläge zur Ernährung und zur Lebensführung geben. Die Heilung geschieht jedoch nicht nur durch den Arzt. Auch der Patient muß an ihr mitwirken, denn es ist „seine“ Krankheit. Wie sollte der Patient sich nun vor und während des Besuches beim Arzt verhalten, damit dieser zu einer richtigen Diagnose kommen kann?

Büchertipp: Padma 28



Die Pulsdiagnose in der tibetischen Medizin


Die tibetischen Ärzte sind bekannt für ihre zutreffenden Pulsdiagnosen. Bei der Pulstastung stellen sie den Grad an Harmonie oder Disharmonie in Körper und Geist fest, was diese Art der Diagnostik zu einer einzigartigen und außergewöhnlichen Kunst macht. Sie beruht auf zahlreichen überlieferten Referenztexten, aber auch auf den persönlichen Erfahrungen des Arztes und seinem Austausch mit Kollegen. Der tibetische Arzt ist vor allem Forscher und daher auf die Mitwirkung des Patienten angewiesen, der vor der Pulstastung einige Grundregeln befolgen sollte:

· keine schwere, erhitzende Nahrung in den zwölf Stunden vor der Pulstastung, z.B.Alkohol, Melasse, Ingwer, Knoblauch, alle Gewürze
. sowie nicht-vegetarische Lebensmittel im allgemeinen vermeiden
· keine rohen, grünen Gemüse, denn sie verändern die Art des Pulses und die energetische Beschaffenheit der Krankheit
· keine konservierten Nahrungsmittel, z.B. getrocknetes Fleisch; Lebensmittel in Dosen
· keine Nahrungsmittel, die Farbstoffe oder andere chemische Zusätze enthalten
· keine kühlenden Nahrungsmittel, z.B. Tee oder Schweinefleisch
· weder zuviel noch zuwenig essen
· keine sexuellen Beziehungen am Vorabend
· nicht zu spät ins Bett gehen und mindestens sieben Stunden schlafen
· sich körperlich weder total verausgaben noch gar nichts tun, denn dieseVerhaltensweisen können die Art der Pulsschläge verändern
· nach einer langen Reise ein oder zwei Tage warten, bevor Sie sich den Puls tasten lassen
· vergessen Sie Ihre Sorgen
· nicht stundenlang beten und meditieren



Dies sind die idealen Bedingungen für eine Pulsdiagnose. Wenn Sie ein sehr beschäftigter Mensch sind und ohne längere Vorbereitung zu einer Konsultation kommen, sollten Sie sich trotzdem einige Zeit ausruhen, damit die Atmung sich verlangsamt und Körper und Geist wenigstens etwas zur Ruhe kommen. Wenn Sie wegen einer Herz- oder Gefäßkrankheit Medikamente nehmen, sollten Sie dies dem Arzt sofort sagen, denn sie verändern den Puls. Der Arzt muß bei der Pulstastung dann auf andere Dinge achten. Auch während der Menstruation verändert sich der Puls. Wenn der Arzt es nicht sofort spürt und Ihnen nichts davon sagt, sollten Sie es ihm mitteilen.


Büchertipp: Das tibetische Heilbuch

Die Urindiagnose in der tibetischen Medizin

Die Urindiagnose der tibetischen Medizin ist weltweit einmalig. Einige Ärzte bitten ausdrücklich darum, daß der Patient eine Probe seines Urins zur Konsultation mitbringt, andere nicht; sie erwarten aber trotzdem, daß er ihn in einer kleinen Flasche dabei hat.

Wie soll man vorgehen?


Leeren Sie Ihre Blase vor Mitternacht und gehen Sie ins Bett. Füllen Sie dann nach dem Aufwachen eine 250?ml?Flasche mit dem ersten Morgenurin. Beachten Sie außerdem folgende Vorbedingungen:

· keinen zu starken Tee oder Kaffee trinken, denn sie verändern den Urin, so daß er nach einer Lung-Krankheit aussieht
· keine Milchprodukte, z.B. Joghurt, Milch, Dickmilch, denn sie lassen den Urin nach einer Badkan-Krankheit aussehen
· keine alkoholischen Getränke, denn sie erwecken den Eindruck einer Khrispa-Krankheit
· keine sexuellen Beziehungen, keine hitzigen Diskussionen oder sonstige geistige Unruhe
· eher lange spazierengehen, als nichts tun oder nervös sein
· normal trinken

Die Einnahme der Arzneimittel in der tibetischen Medizin


Traditionell verschreibt ein tibetischer Arzt drei Arten von Pillen, die Sie vor oder nach den drei Hauptmahlzeiten einnehmen. Die meisten Pillen bestehen aus Pflanzen, und ihre Verwandlung in Bestandteile des Körpers muß in Harmonie mit den kosmischen Strömungen und den energetischen Bestandteilen der Lebensmittel geschehen. Deshalb werden die Pillen eingenommen bei

· Badkan-Krankheiten: in der Morgendämmerung vor dem Frühstück, d.h. auf nüchternen Magen
· Krankheiten von „absteigendem rLung“ (Verstopfung, Durchfall, krankhaft vermehrte Harnausscheidung): unmittelbar vor dem Mittagessen,
· Krankheiten von „wärmendem rLung“ (Verdauungsbeschwerden, fehlende Nährstoffaufnahme): in der Mitte der Mahlzeit,
· Krankheiten von „durchdringendem rLung“: sofort nach dem Mittag- oder Abendessen,
· Krankheiten von „lebenserhaltendem rLung“ (Schizophrenie, Wahnsinn, sonstige psychische Leiden): in kleinen Dosen mit jeweils etwas Nahrung,
· Krankheiten von „aufsteigendem rLung“: nach der Verdauung der Nahrungsmittel, d.h. zwei bis drei Stunden nach den Mahlzeiten,
· Asthma und starken Ansammlungen von Schleim: in kleinen Mengen, aber häufig,
· Appetitlosigkeit: mit Nahrung vermischt,
· Schluckauf und sonstigen Krämpfen: vor und nach den Mahlzeiten,
· allen Atemwegserkrankungen: vor dem Abendessen oder vor dem Schlafengehen, auf jeden Fall aber mindestens drei Stunden vor einer Nahrungsaufnahme.


Büchertipp: Das Wissen vom Heilen - Die Geheimnisse der tibetischen Medizin

Moxibustion in der tibetischen Medizin


Bei der Moxibustion wird Beifuß verbrannt, der bei 670 Grad Celsius Infrarotstrahlen abgibt. Die getrockneten Blätter werden fein gemahlen und dann mit den Fingern zu kleinen Kegeln geformt. Diese werden auf bestimmte Hautstellen gelegt und angezündet. Der Beifuß verbrennt langsam und gibt Rauch mit einem charakteristischen Geruch ab. Der Kegel wird entfernt, bevor er die Haut des Patienten verbrennt. In Japan, woher dieses Verfahren stammt, ließ man den Beifuß früher ganz verbrennen. Viele Menschen hatten deshalb kleine Narben im Gesicht.

Die Moxibustion wird eingesetzt bei: Krankheiten des Verdauungssystems, Ödemen, Tumoren, Gedächtnisschwund und allen neurologischen Beschwerden mit rLung- und Badkan-Charakteristika. Nach einer von einem tibetischen Arzt durchgeführten Moxibustion sollten Sie nie Wasser trinken, weil dies die Wirkung der Behandlung stark beeinträchtigt (Wasser löscht Feuer). Vermeiden Sie außerdem alte und gegorene Lebensmittel, Joghurt und Molke sowie alles Saure (Zitronen, Mixed Pickles, Essig). Schlafen Sie nicht tagsüber, verkühlen Sie sich nicht und schwitzen Sie nicht. Eine Moxibustion wird nie nach dem Essen vorgenommen; nach einer Moxibustion sollte man nicht zuviel essen.

Weiterführende Literatur:
Thomas Dunkenberger. Das tibetische Heilbuch. Aitrang, 1999.
Wilfried Pfeffer. Vision Tibet. Freiburg, 1998.
Dr. Namgyal Qusar/Jean-Claude Sergent. Tibetische Medizin und Ernährung. München, 1997.


Büchertipp: Padma - Tibetische Kräutermedizin vom Dach der Welt

© Kailash Institut für Traditionelle Tibetische Heilkunde
Wallstraße 8 · 79 098 Freiburg i. Br. · Tel.: (07 61) 6 68 14 · Fax: (07 61) 6 68 13
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