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letzte Änderung:
14.01.2017

Sexualität - Verhütung - Familienplanung
Sexualität - Verhütung - Familienplanung

 

Gerade im Bereich der menschlichen Natur, in dem sich so vieles halb- oder unbewusst abspielt, ist es nicht leicht, sich zu emanzipieren, verantwortungsvoll und frei zu handeln. Dies gilt umso mehr für den Bereich Sexualität und Fortpflanzung, wo es nicht nur um einen selber geht, sondern wo stets auch ein anderer Mensch mit betroffen ist. Ohne die Emanzipation von der Natur wäre einen Entwicklung der Menschheit nicht möglich. Der moderne Mensch kann sich der Verantwortung dem eigenen Körper, der eigenen Seele, den eigenen sexuellen Bedürfnissen, vor allem aber dem anderen Menschen gegenüber müssen wir gerecht werden. Wir stehen also vor einer großen Aufgabe, wenn wir die Sexualität aus seiner natürlichen Verbundenheit mit der Fortpflanzung lösen wollen.


Ein Moment zum Nachdenken


Der Gebrauch von Diaphragma oder Kondom fördert den bewussten Umgang mit Fruchtbarkeit, Sexualität und deren Trennung, da äußerst diszipliniert mit den unterschiedlichen Verhütungsmitteln umgegangen werden muss, um sie nicht zu vergessen oder falsch anzuwenden. Wird ein Diaphragma benutzt, ist es völlig nachvollziehbar, was mit dem Körper geschieht und welchen Einfluss es auf die Sexualität hat - ganz im Gegensatz zu der Pille, bei der es schwer nachvollziehbar ist, was sie im Körper bewirkt. Am Körper selbst wird nichts manipuliert, nichts in Kultur gebracht. Stattdessen verlangt der Umgang mit der Sexualität eine gewisse Anpassung an die Anforderungen dieser Methode. Die Verhütung mit dem Diaphragma muss die Wahrnehmung des eigenen Körpers nicht notwendigerweise schwächen, sie kann sie sogar intensivieren. Selbstverständlich hängt das aber von den individuellen Umständen ab, vom Verhältnis zwischen den Partnern sowie von bisherigen Erfahrungen mit anderen Verhütungsmethoden.



Natürliche Verhütung (Methode der Fruchtbarkeitswahrnehmung)

Wenn eine Frau zur Verhütung Eingriffe oder Veränderungen in ihren Körper aus emotionalen oder rationalen Gründen ablehnt und wenn sie außerdem in einen "Dialog" mit ihrem Körper eintreten möchte und an einer intensiveren Wahrnehmung ihrer zyklischen Natur Gefallen findet, wird sie sich wahrscheinlich besonders für die Möglichkeiten der sogenannten natürlichen Verhütung interessieren.

Ein Ausflug in die Geschichte


Schon vor Jahrtausenden wurde in verschiedenen Kulturen, z.B. in China und in Ägypten, ein Zusammenhang zwischen den Mondphasen und der weiblichen Fruchtbarkeit erkannt. Dieses Wissen soll auch damals schon zur Empfängnisverhütung benutzt worden sein. Jahrhundertelang wurde aber gerade das Gegenteil dessen empfohlen, was nach heutigen Erkenntnissen der Empfängnisverhütung als förderlich erscheint. So schrieb der schon erwähnte grierische Arzt Soranus: " In Fällen, wo es ratsam erscheint, eine Empfängnis zu vermeiden, sollten die Leute sich des Verkehrs in der Zeit vor und nach der Periode enthalten." Das aber sind die Tage der geringsten Fruchtbarkeit.

Der konkrete Zusammenhang zwischen weiblicher Fruchtbarkeit und dem Menstruationszyklus wurde erst im 20. Jahrhundert bekannt. In den dreißiger Jahren wurde von dem japanischen Gynäkologen Ogino und seinem österreichischen Kollegen Knaus ungefähr zeitgleich entdeckt, dass der Eisprung fast immer ca. 14 Tage vor der nächsten Menstruation stattfindet und dass mit diesem Wissen eine Verhütung möglich ist. Dies war die Grundlage für die Kalendermethode.

In Holland hat der Gynäkologe Van de Velde sich mit dem Zusammenhang zwischen Eisprung und dem zweiphasigen Temperaturverlauf beim weiblichen Zyklus beschäftigt. Damit waren die Voraussetzungen zur Temperaturmethode geschafffen. Erst im Laufe der fünfziger Jahre wurde diese Methode in einer etwas breiteren Öffentlichkeit propagiert.

Das sich der Schleim am Muttermund kurz vor dem Eisprung verändert, durchsichtig und "spinnbar" wird , wurde von dem australischen Arzt Billings erkannt. Durch einfache Sebstuntersuchung kann jede Frau auf diese Weise den Zeitpunkt ihres Eisprungs und damit ihrer fruchtbaren und unfruchtbaren Tage feststellen. In den sechziger und siebziger Jahren fand die "reine" Schleimmethode sowie die kombinierte Temperatur-Schleim-Methode (symptotheramle Methode) zunehmend Akzeptanz. In Deutschland versteht man unter Natürlicher Familienplanung (NFP) diese symtothermale Methode. Trotz der vielen Vorteile dieser Methoden herrscht auch heute noch viel Unwissenheit über diese Verfahren und ihre Sicherheit.

Diese kurze Geschichte der Natürlichen Familienplanung zeigt interessante Besonderheiten: Im Gegensatz zur Pille, die im Westen, in Amerika, entwickelt wurde und dann eine rasante Verbreitung erlebte, sind die Ursprünge der Natürlichen Familienplanung im Osten, in Europa, Asien und Australien, zu suchen, und die Verbreitung erfolgt eher langsam. Kann man darin die schnelle, manchmal aggressive und effiziente amerikanische Art und eine bedachtsamere, selbstbeobachtende Einstellung im Osten erkennen?

Bei den hier besprochenen Methoden geht es eigentlich nicht um Verhütungsmethoden, sondern um eine Beurteilungshilfe bei der Frage, ob eine Verhütung nötig ist. Wenn das Paar sich beim Geschlechtsverkehr nach den unfruchtbaren Tagen richtet und an den anderen Tagen verzichtet, ist keine Verhütung nötig. Somit trifft die Umschreibung "Methode der Fruchtbarkeitswahrnehmung" eigentlich besser zu, vor allem deshalb, weil sie sowohl zur Verhütung angewandt werden kann als auch bei Kinderwunsch, um den optimalen Zeitpunkt für die Befruchtung zu finden.

Der Begriff "natürlich" ist im Zusammenhang mit Sexualität und Verhütung durchaus erklärungsbedürftig. Was ist natürlicher: jederzeit zum Geschlechtsverkehr bereit zu sein oder aber an bestimmten Tagen zu verzichten? Ist Verhütung überhaupt etwas "Natürliches" oder bedeutet "natürlich" hier lediglich, dass nicht in den Zyklus eingegriffen und auch auf sonstige Hilfsmittel verzichtet wird?

Ungeachtet dieser Überlegungen wollen wir aber der Einfachheit halber auch weiterhin von "natürlicher Verhütung" sprechen. Zu unterscheiden sind, wie schon erwähnt, die Kalendermethode, die Temperaturmethode und die kombinierte symptothermale Methode. Auch der "Coitus interruptus" wird manchmal zu den natürlichen Verhütungsmethoden gerechnet. Diese Methoden hat eigentlich nur Nachteile: Sie ist sehr unsicher (eine Versagerquote von bis zu 25 Prozent) und sehr störend, deshalb findet sie inzwischen kaum noch Anwendung.

Kalendermethode

Bei der Kalendermethode werden die Menstruationstage im Kalender notiert. Wenn eine Frau einen einigermaßen stabilen, regelmäßigen Zyklus hat, kann sie abschätzen, wann der nächste Eisprung stattfinden wird (ca. 14 Tage vor der erwarteten Blutung), welche Tage fruchtbar (die letzten 6 Tage vor dem Eisprung) und welche unfruchtbar sind (die letzten Tage vor der erwarteten Blutung und im Normalfall die erste Woche nach Beginn der Blutung).

Die Sicherheit dieser Methode erhöht sich bei Frauen, die ihren Eisprung deutlich spüren. Eine Unsicherheit entsteht aber dadurch, dass kleinere Schwankungen immer auftreten können und der Moment des Eisprungs meist anhand des Kalenders geschätzt und nicht - wie bei der Temperaturmethode - eindeutig nachgewiesen wird. Trotzdem gibt es sehr viele Paare, die auf diese Weise relativ erfolgreich verhüten. Als Pearl-Index wird ein Wert von 4 bis 9 angegeben, d.h. es kommt zu vier bis neun Schwangerschaften, wenn hundert Paare ein Jahr lang auf diese Weise verhüten.

Temperaturmethode


Um die Sicherheit zu erhöhen, ist es wichtig, den Zeitpunkt des Eisprungs möglichst genau zu bestimmen. Dazu kann die Beobachtung der Körpertemperatur (sowie des Muttermundschleims) helfen.

Fakten, Fakten, Fakten


Um die Kalendermethode erfolgreich anzuwenden, ist es notwendig, den frühestmöglichen Zeitpunkt des Eisprungs und damit den Zeitraum der fruchtbaren Tage zu ermitteln. Nachdem die Länge des Zyklus über Monate hinweg beobachtet wurde, können die unfruchtbaren Tage nach folgender Methode errechnet werden:

Längster Zyklus: z.B. 32 Tage

Kürzester Zyklus: z.B. 28 Tage

Unter der Voraussetzung, dass der Eisprung exakt 14 Tage vor Einsetzen der Regelblutung erfolgt, muss zwischen dem 14. und dem 18. Tag des Zyklus damit gerechnet werden.

Die fruchtbaren Tage (6 Tage vor dem Eisprung) können demnach mit dem 8. Tag des Zyklus beginnen und enden spätenstens 10 Tage vor der Blutung in einem maximal langen Zyklus, in diesem Rechenbeispiel also am 22. Tag. Zwischen dem 8. und dem 22. Tag sollte also kein Geschlechtsverkehr stattfinden. Bei einem höheren Sicherheitsbedürfnis sollte dieser Zeitraum um ein oder zwei Tage ausgeweitet werden.

Die hormonellen Veränderungen im Laufe des Zyklus werden nicht nur in der Gebärmutter und in den Eierstöcken wirksam, sondern im ganzen Körper. So steigt, wie auf Seite 28 beschrieben, die Körpertemperatur nach dem Eisprung um ca. 0,5 ° Celsius. Diese ist am besten mit der konsequenten morgendlichen Messung nach dem Aufwachen zu bestimmen.

Nach einer erholsamen Nacht mit möglichst 5 bis 6 Stunden ununterbrochenem Schlaf ist die Körpertemperatur noch nicht von sonstigen Einflüssen geprägt und somit für einen täglichen Vergleich gut geeignet. Werden die Nächte von schlecht schlafenden Kindern öfter gestört, ist diese Methode nicht zu empfehlen. Das Gleiche gilt für Frauen, die wechselnden Schichtdienst haben.

Bei der Temperaturmethode sind zwei "Sicherheitsstufen" zu unterscheiden. Wenn nur in der Zeit zwischen dem dritten Tag nach dem Temperaturanstieg (Eisprung) bis zur Menstruation Geschlechtsverkehr stattfindet, ist normalerweise keine Befruchtung möglich, denn es kommt eigentlich nie vor, dass innerhalb einer Monats zweimal hintereinander ein Eisprung stattfindet. Der Peal-Index wird bei dieser "strengen" From mit 0,8 angegeben (weniger als eine Schwangerschaft, wenn hundert Paare ein Jahr lang auf diese Weise verhüten).

Bei der erweiterten Form wird auch die Zeit bis ungefähr sieben Tage vor dem erwarteten Eisprung als relativ sicher betrachtet. Dies stützt sich auf die Erwartung, dass der Eisprung immer an einem bestimmten Tag, z.B. dem 14. Zyklustag stattfindet. Durch Schwankungen und einen eventuell früher auftretenden Eisprung ist diese Phase natürlich weniger sicher als die Zeit nach dem Eisprung. Bei dieser "erweiterten" Form der Temperaturmethode wird ein Peal-Index von 3-5 genannt.


Sexualität, Verhütung, Familienplanung

Methoden, Entscheidungshilfen Vor- und Nachteile

Dr.B.Maris

1.Auflage 1999

ISBN: 3-7725-5009-6

Aethera im Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH


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