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letzte Änderung:
14.01.2017

Interview Dr. Wolf
Interview Dr. Wolf

 

Die Redaktion des Gesundheitsportals führte ein Interview mit Herrn Dr. Hans Joachim Wolf, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Facharzt für Histologie und Embryologie, aus Innsbruck (Österreich) zum Thema „First-Love-Sprechstunde“

Gesundheitsportal: Guten Tag, Herr Dr. Wolf. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen unsere Leser über die „First-Love-Sprechstunde“ zu informieren. Herr Dr. Wolf, Sie sind einer der wenigen Ärzte, die eine solche Sprechstunde eingeführt haben, wie sind Sie auf die Idee gekommen und könnten Sie uns kurz Ihr Konzept erklären?
Herr Dr. H. J. Wolf: In meiner langjährigen Tätigkeit als Frauenarzt sind mir viele junge Menschen begegnet, deren Leben durch ungewollte Schwangerschaft oder sexuell übertragbare Krankheiten massiv belastet war. All dies wäre durch rechtzeitige fachkompetente Aufklärung vermeidbar gewesen. Daher können sich Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr bei mir kostenlos und anonym zum Thema Sexualität beraten lassen.
Gesundheitsportal: An welche Altersstufe richtet sich Ihr Angebot?
Herr Dr. H. J. Wolf: Prinzipiell an alle Altersstufen bis zum 19. Lebensjahr. Am häufigsten nehmen aber 14-17 jährige dieses Angebot in Anspruch. Es sind aber auch Eltern von Jugendlichen herzlich eingeladen, sich bei mir mit Ihren Kindern zu diesen Themen beraten zu lassen.
Gesundheitsportal: Wann haben Sie die „First-Love-Sprechstunde“ eingerichtet?
Herr Dr. H. J. Wolf: Ich betreibe seit dem 01.12.2001 eine selbständige Ordination in Innsbruck. Seit 01.03.2002 biete ich hier diesen Jugendservice an.
Gesundheitsportal: Welche Themen werden häufig von den jungen Mädchen angesprochen?
Herr Dr. H. J. Wolf: Das wohl häufigste Thema, das wir hier diskutieren ist Empfängnisschutz. Natürlich treten auch immer Fragen zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten auf. Viel Verunsicherung herrscht bei Jugendlichen auch über das richtige Verhalten bei den ersten Annäherungen zum anderen Geschlecht.
Gesundheitsportal: In Deutschland kennen sich viele junge Mädchen nicht mit ihrem Körper aus, viele werden schwanger, weil Sie nicht aufgeklärt worden sind, da Eltern keine Aufklärung vornehmen. Sehen Sie dieses Problem auch bei den jungen Mädchen, die in Ihre Praxis kommen?
Herr Dr. H. J. Wolf: Hier in Tirol ist das Problem ähnlich gelagert. Aufklärung wird größtenteils durch die Schule vorgenommen, hier hat sich die Situation zu früher deutlich gebessert. Nach wie vor herrscht noch sehr dürftige Kommunikation zwischen Eltern und Ihren Kindern zu diesen Themen. Ich leiste in meiner Praxis einen kleinen Beitrag zur Verbesserung dieser Situation, indem ich auch Eltern herzlich einlade, gemeinsam mit Ihren Kindern zu Aufklärungsgesprächen zu kommen. Damit möchte ich die Hemmschwelle zwischen Jugendlichen und Ihren Eltern vor solchen Gesprächen deutlich senken.
Gesundheitsportal: Können auch junge Paare gemeinsam bei Ihnen beraten werden, z.B. über Verhütungsmittel?
Herr Dr. H. J. Wolf: Es ist mir sehr wichtig, das Thema Verhütung und sexuell übertragbarer Erkrankungen auch in der männlichen Bevölkerung stärker ins Bewusstsein zu rücken. Daher sind selbstverständlich Pärchenberatungen nicht nur möglich sondern durchaus willkommen. Schließlich wird AIDS nicht nur vom Mann auf die Frau übertragen sondern auch umgekehrt.
Gesundheitsportal: Was würden Sie Eltern von jungen Mädchen raten, wie sollen sie ihre Töchter aufklären, worauf sollte geachtet werden? Gibt es Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen auf die bei der Aufklärung geachtet werden muss?
Herr Dr. H. J. Wolf: Ein Aufklärungsgespräch erfordert auf jeden Fall das nötige Ambiente. Stress- und angstfrei, nicht erzieherisch sondern beratend, so stelle ich mir das vor. Es ist aus meiner Sicht sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass Sex etwas wunderschönes sein kann, wenn der Partner und die Rahmenbedingungen passen. Sex nicht um jeden Preis, nur weil alle Freundinnen schon ihre ersten Erfahrungen hatten. Die Wahl der richtigen Empfängnisverhütung und wie man sich vor Krankheiten schützt sollte wesentlicher Gegenstand jedes Aufklärungsgesprächs sein. Prinzipiell gelten für Aufklärungsgespräche mit Jungen und Mädchen die gleichen Richtlinien.
Gesundheitsportal: Wir danken Ihnen sehr für das Gespräch. Wir sind von Ihrem Projekt begeistert und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

© Herr Dr. Hans Joachim Wolf, Valiergasse 62, A-6020 Innsbruck,
Telefon +43 512 353534, http://www.drwolf.at, praxis@drwolf.at

 
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