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letzte Änderung:
14.01.2017

Interview mit Frau Biel
Interview mit Frau Biel

 

Die Redaktion des Gesundheitsportals führte ein Interview mit Frau Diplom-Sozialpädagogin Marita Biel. Sie hat eine eigene Pädagogische Praxis in der Nähe von München.

Gesundheitsportal: Guten Tag, Frau Biel. Wir freuen uns, dass Sie sich Zeit genommen haben, uns einige Fragen zu beantworten. Sie haben eine Pädagogische Praxis bei München, in der Kinder behandelt werden, die unter Schulängsten, Depressionen oder Hyperaktivität leiden. Wie sehen Sie die heutige Entwicklung der Kinder im schulischen Bereich in Deutschland?
Frau Biel: Die Entwicklung der Kinder im schulischen Bereich in Deutschland lässt sich nicht voraussagen. Leben heißt Veränderung und so kann eine Entwicklung nie vorausgesagt werden. Eins ist aber klar, Kinder müssen lernen ihr Leben zu bewältigen und die Bedingungen unter denen wir heute leben, verlagen sehr viel mehr von uns allen als früher.
Viele der Kinder die heute oder morgen zur Schule gehen, werden im Laufe ihres Arbeitslebens wahrscheinlich mehrmals den Beruf wechseln. Das bedeutet dass sie sich immer wieder neuen Lebensbedingungen anpasssen müssen, d.h. sie müssen etwas bewegen. Bewegung ist also Fortschritt und Entwicklung. Spezielle koordinierte Bewegung stimuliert die Produktion von Stoffen, die die Nervenverbindungen so gestaltet, dass Bewegung immer mehr in den Hintergrund tritt. Die heutigen Kinder haben einen völlig anderen Erfahrungsraum, weitgehend übernehmen sie die Lebensformen der Erwachsenen - sitzen viel bewegen sich wenig. Der Erlebnisraum Straße, Spiel im Freien, Blinde Kuh, Verstecken etc, Seilhüpfen, Erlebnisspiele in der Natur werden immer weniger. Viele Spielzeuge haben sehr eingeschränkte Spielfunktionen und bieten wenig Raum für Kreativität. Sensorische Reize nehmen zwangsläufig ab. Diese Bewegungsdefizite verhindern die Produktion von Stoffen im Gehirn, und so können auch keine Vernetzungen und Schaltkreise im Gehirn angeregt werden. Zwangsläufig müssen immer mehr Kinder besondere Fördermaßnahmen erhalten um diese Defizite auszugleichen. Um diesen Tendenzen entgegenzusetzen ist es wichtig dass Eltern, Lehrer und alle die auf Erfolg der Kinder bedacht sind, sich wieder der Bedeutung von Bewegung und Lernen bewusst zu werden.
Gesundheitsportal: Wenn man sieht, wie die Zahl der Kinder mit Schulängsten ständig steigt, gleichzeitig der Leistungsdruck immer stärker wird, fragen sich viele Eltern, was Sie tun können, um Schulängste zu vermeiden. Welchen Rat können Sie diesen Eltern geben?
Frau Biel: Kinder machen unterschiedliche Erfahrungen und manche reagieren oft ängstlicher als andere. Eltern sollten ihr Kind ermutigen über ihre Angst zu reden und dass Gefühl vermitteln, dass sie es verstehen. Bleiben Sie ruhig, wenn ihr Kind ängstlich ist und nehmen sie die Angst ernst. Erzählen sie ruhig von ihrer eigenen Angst. Versuchen sie ihrem Kind Bewältigungsstrategien zu vermitteln, die es mag, oder von denen es denkt, dass sie funktionieren. Üben sie diese, bevor es in eine angstflößende Situation gerät. Zum Beispiel:
  • Atmen
  • Entspannung (eventuell Autogenes Training)
  • Vorstellung - in die Angstsituation versetzen und überlegen was helfen könnte, z.B. Licht, Sonne - oder an positive Sätze zu sagen - Das schaffte ich schon etc.
  • Gelingt ihrem Kind der Umgang mit Ängsten nicht, sollten sie sich professionelle Hilfe holen, damit es lernt gezielt damit umzugehen und sich sicher fühlen kann.
    Gesundheitsportal: In vielen Fällen hat sich die Schulangst schon entwickelt, das Kind leidet unter großer Angst vor der Schule, dem Lehrer oder auch vor Mitschülern. Gibt es dann auch sanfte Methoden, um die Angst zu besiegen?
    Frau Biel: Sanfte Methoden im Vorschulalter lassen Sie ihrem Kind genügend Zeit Bewegungen einzuüben - Geben Sie Ihrem Kind viel Gelegenheit zum spielen, balancieren, hüpfen schaukeln, Ballspiele etc., damit sich das körperliche Gleichgewicht gut entwickeln kann. Körperliche Stabilität ist die Voraussetzung für psychische und mentale Stabilität. Schauen sie immer auf die Dinge, die ihr Kind kann und loben es entsprechend.
    Gesundheitsportal: Was denken Sie über die Behandlung der Hyperaktivität mit dem Medikament "Ritalin"? Gibt es Alternativen zu dieser Behandlung?
    Frau Biel: Der Göttinger Hirnforscher Hüther weist in seinem Buch "Neues vom Zappelphilipp" darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen ADS und einer neurobiologischen Störung bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Es handle sich vielmehr immer noch um ein Erklärungsmodell, dessen Gültigkeit wissenschaftlich erst noch bewiesen werden muß. Bis heute ist kaum verstanden, was "Ritalin" in den noch entwickelnden Kinderhirnen wirklich bewirkt. Unter den Wissenschaftlern besteht bzgl. des Medikamentes eine heftige Diskussion, mir zeigt es jedenfalls eins, dass sich die Erkenntnis bzgl. der Wirkungsweise und Langzeitfolgen von "Ritalin" auf einem ungesicherten Boden bewegen. Gleichzeitig sehe sich aus pädagogischer Sicht ein Problem, das Kind merkt "Mit mir ist etwas nicht in Ordnung - ich bin anders also schlucke ich etwas und dann bin ich o.k." Das kann m.E. für die weitere Entwicklung nicht gerade förderlich sein, die Auseinandersetzung mit Problemen wird durch ein Medikament unterbunden. M.E. gibt es recht gute Alternativen um Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen zu helfen.
    Gesundheitsportal: Wie sollten Eltern und Lehrer mit dieser Krankheit umgehen?
    Frau Biel: Ein Aspekt ist Stabilität in der Erziehung. Mut Grenzen zu setzen, damit sich die Kinder selbst erfahren und eine eigene Identität aufbauen können. Schenken Sie ihrem Kind mit Aufmerksamkeitsdefiziten Aufmerksamkeit. Ein Lächeln, Zuzwinkern, und richten sie Ihre Aufmerksamkeit auf Dinge, die es kann und loben Sie es dafür. Auf die Bedeutung der Bewegungsentwicklung für die Ausbildung der Lern- und Konzentrationsfähigkeit hat Dr. Paul Dennison bereits Anfang der 80er Jahre hingewiesen und eine sogenannte Gehirngymnastik entwickelt entwickelt die zur Förderung von Wahrnehmung und Bewegung geeignet ist. Diese Kinder müssen auch das Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung lernen. "Aktivität und Ruhe sind hier nicht nur körperlich zu verstehen sondern auch als geistige Möglichkeiten". Der Einsatz von speziell gefilterten CD der "Samonas-Klangtherapie" hat sich hier als sehr hilfreich erwiesen. Ich arbeite seit ca. 8 Jahren mit diesen Förderprogrammen und habe gute Erfahrungen damit gemacht. Erwähnen möchte ich noch eins - es ist gefährlich Kinder mit Etiketten zu behaften wie Hyperaktivität etc. Sie erhalten schnell eine Sonderstellung und spätestens mit Eintritt ins Berufsleben wird man darauf keine Rücksicht mehr nehmen. Vermitteln Sie Ihrem Kind die Einstellung, O.K. mir fällt das eine oder andere schwer aber ich kann damit umgehen.
    Gesundheitsportal: Sie sind Lernberaterin P.P.®. Was können sich unsere Leser darunter vorstellen?
    Frau Biel: Lernberatung - bietet eine neue Form der Beratung und Prozeßbebegleitung für Kinder und Erwachsenen. Meine Arbeit ist ganzheitlich und immer den Problemen des Einzelnen individuell angepasst. Dazu werden erprobte Methoden eingesetzt wie: Bewegung, Sinnesschulug, Gehirnintegration, Stressabbau, Körperarbeit aber auch Methoden der praktischen Pädagogik sowie Spezialprogramme zur Förderung von Lesen, Schreiben, Rechnen und praktische Lerntipps. Lernberatung ist keine lange Therapieform sondern löst körperliche, seelische oder geistige Blockaden auf.
    Gesundheitsportal: Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

    Für weitere Informationen empfehlen wir Ihnen die Homepage von Frau Biel: www.freudeamlernen.de

    © Frau Biel, Waldstraße 28 b, 82110 Germering
    Telefon (0 89) 89 42 85 85, http://www.freudeamlernen.de, info@freudeamlernen.de

     
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